By 90Min
October 31, 2017

Auf der Mitgliederversammlung des 1. FSV Mainz 05 am gestrigen Montag überschatteten die Altlasten rund um den ehemaligen Präsidenten Harald Strutz und seinen Vorstand die finanziellen Erfolge des Vereins. Trotz Rekordumsätzen rumort es hinter den Kulissen der Mainzer Verantwortlichen.


Der Abend begann mit erfreulichen Nachrichten. Nachdem im letzten Jahr Rouven Schröder die Geschicke in Mainz übernommen hatte, gab es unter ihm als Vorstandsvorsitzenden in der vergangenen Saison auf Anhieb Rekordumsätze. Dem für die Abteilung Finanzen zuständige Christopher Blümlein kam die Ehre zuteil, den knapp 450 anwesenden Mitgliedern die neusten wirtschaftlichen Zahlen zu verkünden. 


Insgesamt erzielte Mainz im Geschäftsjahr 2016/2017 einen Rekord-Gesamtumsatz von 110 Millionen € und einen Rekordgewinn von 10,9 Millionen € vor Steuern.

Während Blümleins Auftritt noch mit begeistertem Applaus belohnt worden ist, kippte die Stimmung im weiteren Verlauf des Abends. Bestimmendes Thema war im Anschluss nämlich die immer noch ausstehende Entlastung von Strutz, der der Verein als zuständiger Präsident fast 30 Jahre mitgeformt hatte. 


Nachdem es im Sommer zum großen strukturellen Umbruch gekommen war und Strutz sich zusammen mit acht weiteren Vorstandsmitgliedern in die verdiente Altersrente verabschiedete, sind die ehemaligen Verantwortlichen zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht entlastet worden.

Der Grund dafür ist laut Aufsichtsrats-Vorsitzender Detlev Höhne, dass man aktuell noch eine anonyme Anklage prüfen lasse, nach der der ehemalige Vorstand private Übernachtungen über den Verein habe abrechnen lassen. 


Höhne betonte weiterhin, dass man keinesfalls an der Unschuld von Strutz und Co. zweifele, aber der laufende Prozess eben noch keine Entlastung ermögliche: "Wir können keine formale Entlastung aussprechen bis wir von der Staatsanwaltschaft eine schriftliche Mitteilung haben, dass das Verfahren eingestellt ist."

Bei den langjährigen Verantwortlichen stieß diese Aussage auf Unmut. Strutz selbst verlangte: "Lassen Sie meine Person endlich in Ruhe!" Und auch sein ehemaliger Kollege Manfred Thoene beschwerte sich über das mangelnde Vertrauen: "Wir haben teilweise persönlich gebürgt und für diesen Verein gelebt. Das ist eine absolute Frechheit."

Alle Anwesenden sind natürlich Zeugen dieser brodelnden Stimmung geworden. Damit sich diese Streitereien nicht vielleicht auch auf die sportlichen Belange des Vereins auswirken, sollte man sich in Mainz bemühen, spätestens auf der anberaumten Sondersitzung nach entsprechender Rückmeldung durch die Staatsanwaltschaft für Klarheit zu sorgen.

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